METALL 4 2011: Spannung auf den Stahlmärkten

Es ist bereits eine gute Tradition geworden: Zu Jahresbeginn informiert die Handelsblatt- Tagung Stahlmarkt zu den aktuellen Entwicklungen in der internationalen Stahlbranche (s. Bericht S. 161). Experten aus Industrie und Handel dis- kutieren die Marktlage, wagen Prognosen und weisen auch auf die durch die Politik bedingten Marktverzerrungen hin. Man könnte meinen, die Themen gleichen sich in jedem Jahr, stellt jedoch schnell fest: Dies ist nicht so. Es ist deutliche Bewegung in die Branche gekommen, die Krise wurde verblüffend schnell gemeistert. Weltweit ist die Rohstahlproduktion im Jahr 2010 um 15 Prozent auf einen neuen Höchststand von 1,414 Mrd. t angestiegen und hat damit den kräftigsten Zuwachs seit 1955 erlebt. In Deutschland ist die Erzeugung um 34 Prozent gestiegen, hat aber mit 43,8 Mio. t das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht. Die Branche gibt sich angesichts der aktuellen Auftragseingänge optimistisch: Die Nachfrage diverser Branchen steigt, zudem werden wieder Lageraufstockungen erwartet. Dennoch: Treiber der Entwicklungen sind nicht mehr die westlichen Industrienationen, sondern vor allem China: Hier hat man über die Krise hinweg den Anteil am Welt- stahlmarkt um volle zehn Prozent auf 45 Prozent erhöhen können.

Volatilität auf den Rohstoffmärkten

Für Spannung sorgt aber vor allem die Frage, wie es auf den Rohstoffmärkten weitergeht. Hier sind dramatische Preissteigerungen zu verzeichnen. Beispielsweise haben Produktionsausfälle bei Kokskohle in Australien in Folge der Unwetterkatastrophe die Preise für Kokskohle innerhalb des Monats Januar um 55 Prozent nach oben getrieben. Die Quartalsverträge bei Eisenerzen zeigen gar Steigerungen von fast 160 Prozent!

Die Unsicherheiten nehmen zu und es ist auch interessant zu wissen, dass nicht einmal ein theoretischer Zusammenschluss der Stahlerzeuger Europas etwas ändern könnte: Zusammen entfiele lediglich ein Fünftel der weltweit gehandelten Erz- mengen auf diese Gruppe. Viel zu wenig, um Druck ausüben zu können. Vor die- sem Hintergrund wird Schrott immer begehrter.

Chemie setzt Grenzen: Vorgaben technisch nicht erreichbar

Doch weitaus größere Sorgen bereiten der Eisenmetallurgie die kürzlich veröffent- lichten ergänzenden Regeln zum Emissionsrechtehandel ab 2013. Für die Stahlindustrie sind in Brüssel Werte beschlossen worden, die nach Expertenmeinung technisch nicht erreichbar sind, da sie unterhalb des chemisch-physikalisch notwendigen Miniums liegen. Damit ergeben sich deutliche Wettbewerbverzerrungen zuungunsten der deutschen Metallurgie, die technisch sehr anspruchsvolle Lösungen zu bieten hat.

Das zeigen nicht zuletzt die Beispiele in diesem Heft: Egal ob Formenstahl für die Getränkeflaschenproduktion (S. 132), Fassadenbleche für das One World Trade Center in New York, (S. 134) oder hochbeständige Rohre für die Nutzung von Geothermie (S. 130) – maßgeschneiderte Werkstoffe bieten die passende Lösung.



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