METALL 3/2012: WEEE geht es weiter?

Unbestritten ist, dass die unter dem Begriff WEEE – Waste Electrical and Electronic Equipment – bekannten Elektro– und Elektronikschrotte eine wertvolle Rohstoffquelle sind: Kupfer, Aluminium, Edelmetalle, Eisen und auch die derzeit vieldiskutierten Technologiemetalle finden sich hier. Und zum Teil sogar in deutlich höheren Gehalten als selbst ein reiches Erz dies anbieten könnte. Grund genug, so sollte man meinen, diese Schrotte umfassend zu erfassen, im Land zu halten und die Metalle zu recyceln.

Doch sieht man sich als in der Provinz lebender Verbraucher und damit eben auch Schrotterzeuger dabei vor Probleme gestellt. Annahmestellen gibt es zwar, sie liegen jedoch vor den Toren der Stadt, außerhalb des Bereiches, den Stadtbusse anfahren. Sammlungen finden dann statt, wenn die meisten Leute arbeiten. Die Redaktion konkret könnte die alte Kaffeemaschine nach einem längeren Fußmarsch am 14. März 2012 um 9.45 Uhr abgeben, leider hat dann niemand Zeit. Ob es zum nächsten Termin – am 26. September 2012 um 9.55 Uhr zu schaffen ist, ist noch nicht abzusehen.

83 Mio. schlafende Handys

Und so ist es dann trotz Aufklärung und entgegen aller guten Absichten oft genug so, dass kleine Geräte, wie der Lockenstab und auch die eben doch nicht unverwüstlichen Energiesparlampen oder gar LED–Spots in der Mülltonne landen. Bügeleisen, Bohrmaschine, Raclettegrill und Sandwichtoaster schimmeln im Keller über Jahre vor sich hin, alte Handys warten in Schreibtischschubkästen. Dabei handelt es sich um durchaus nicht unbedeutende Mengen: Der bvse hat ausgerechnet, dass allein in Deutschland 142.000 t Elektrokleingeräte in der Mülltonne landen und nicht in zertifizierten Recyclinganlagen. Eine aktuelle Studie des Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) kommt zu dem Ergebnis, dass derzeit rund 83 Mio. Althandys in deutschen Haushalten schlummern.

Es wachse das Erz

Das darf sich ein rohstoffarmes Land wie Deutschland nicht länger leisten. Mit den WEEE-Schrotten würde sich ein in Sprüchen wie „Es grüne die Tanne, es wachse das Erz“ beschworener alter Traum der Bergleute erfüllen: Ein nachwachsendes Erz! Doch diesem muss die Gelegenheit zum Nachwachsen gegeben sein, d.h. ein verbraucherfreundliches, verständliches und praktikables Rückgabesystem ist unverzichtbar.

Die aktuelle Entscheidung zur WEEE-Novelle ist zu begrüßen. Verbrauchernah sollen die Sammlungen organisiert werden, eben auch mit der Maßgabe, dass der Handel Geräte kostenlos zurücknehmen soll. Der Haken dabei: Die Regelung soll nur für kleine Geräte bis 25 cm gelten. Der Rasierapparat dürfte also beim Fachhandel abgegeben werden, die Küchenmaschine hingegen nicht. „Impraktikabel“ nennt der bvse völlig zur Recht diese Einschränkung, denn welcher Verbraucher will schon riskieren, ausgediente Geräte wieder mit nach Hause nehmen zu müssen? Sicher ist, einmal abgelehnt, wird er keinen zweiten Anlauf wagen – und die Schrotte wandern weiterhin in den Keller oder in den Hausmüll.

Nicht zuletzt ist es wichtig, zu betonen, dass es in Deutschland gut eingeführte, umweltschonende Recyclingtechniken gibt. Zu begrüßen ist daher auch, dass die WEEE–Novelle festschreibt, dass Exporteure von Elektronikaltgeräten die Gebrauchsfähigkeit der Geräte nachweisen müssen.



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