
Redewendungen wie die oben genannte entstammen der technischen Fachsprache: Die ersten Telegrafen des 19. Jahrhunderts setzten auf Kupferkabel. Ein bahnbrechende Innovation: Wer sie nutzte, hatte aktuellste Informationen, war also bestens informiert und gut zu erreichen. Und auch heute bedeutet „Auf Draht sein“ sich ständig für Aufgaben bereit zu halten, mit aktuellem Wissen versorgt zu zu sein. Doch selbst im wireless-Zeitalter geht es nicht ohne Draht, denn letztlich muss Energie übertragen werden. Eine große Herausforderung gerade für Kupfer, wie Dr. Bernd Drouven, Vorstandsvorsitzender der Aurubis AG im METALL-Interview bestätigte (s. Seite 87). Der Nachholebedarf in Asien ist groß und auch bei uns fordert der Ausbau erneuerbarer Energien umfangreiche Kabelnetze, da z. B. Windkraftanlagen dezentral über das Land verteilt werden.
Vor diesem Hintergrund können NEMetalle mit hoher elektrischer Leitfähigkeit, wie Kupfer oder Aluminium, optimistisch in die Zukunft blicken – was auch aktuell wieder von den Vorberichten der Messe wire 2010 bestätigt wird. Zu erfahren ist z.B., dass Leoni eine auf eine Nennleistung von 53 MW ausgelegte Photovoltaikanlage in Brandenburg mit mehr als 1.000 km eines speziellen Solarkabels ausrüstet. Dabei handelt es sich um doppelt isolierte, halogenfreie Leitungen, die flammwidrig, UV-, Ozon-, Hydrolyse- sowie kälte- und hitzebeständig von –40 bis +120 °C sind und eine Nutzung von mehr als 30 Jahren erlauben. Wireless nicht ohne Draht Nexans wird für das Marmaray-Projekt mit der Trans-Bosporus-Eisenbahnverbindung, Istanbul, 1.350 km Signal- und Niederspannungskabel liefern. LS Cables fertigt sämtliche Kabel für die saudi-arabische Eisenbahnverbindung nach Mekka. Der Auftrag umfasst Kabel zur Übertragung von Energie sowie Kommunikationskabel für die Signalübertragung. Prysmian investiert in den USA 46 Mio. US $, um die erste Kabelfabrik zur Fertigung von Höchstspannungskabeln in Nordamerika zu errichten. Die Fabrik soll die USA vom Import derartiger Kabel unabhängig machen. Auch die Automobilbranche muss angesichts zahlreicher Systeme, die die Betriebsfunktion, die Sicherheit und den Fahrkomfort von Kraftfahrzeugen steigern „auf Draht sein“.
Ein aktueller Mittelklasse-Pkw enthält Leitungen mit bis zu 2 km Gesamtlänge, ein moderner Linienbus bringt es gar auf rund 4 km Länge.Neue Herausforderungen ergeben sich durch neue Antriebssysteme sowie Forderungen, das Fahrzeuggewicht zu reduzieren. Eine Aufgabe besteht z.B. darin, die bisherigen Kupferkabel- Bordnetze durch solche mit spezifisch leichteren Leitungen zu ersetzen. Wie die wire berichtet, arbeiten Kabelhersteller daran, Kupferleiter durch Aluminium- oder Verbunddrähte zu ersetzen, beispielsweise kupferbeschichteten Aluminiumdraht (Copper- Clad Aluminum Wire, CCAW) oder kupferbeschichteten Stahldraht (Copper-Clad Steel Wire, CCSW). Diese Bimetalldrähte haben den Vorteil, dass sie bestimmte Eigenschaften der Ausgangswerkstoffe vorteilhaft miteinander kombinieren, sie erfordern aber auch modifizierte Produktionstechniken. Diese und weitere Entwicklungen stehen im Mittelpunkt der wire, die parallel zur Rohrfachmesse Tube in Düsseldorf vom 12. bis zum 16. April 2010 stattfindet. Einige Highlights präsentiert METALL ab Seite 81.
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