METALL 12/2010: (Un)-Verantwortliche Metallproduktion?

Ein weiterer Vor-Ort-Termin der Initiative Metalle pro Klima rückte aktuell Aluminium in den Vordergrund. Das leichte Metall bewährt sich im täglichen Leben überall, jedoch ist dies der Öffentlichkeit kaum bewusst. Vielmehr lenken spektakuläre, jedoch für die Aluminium-Branche absolut nicht typische, Unglücke wie das der ungarischen Rotschlammhalde, den Blick auf die Metallurgie – und zwar nicht nur auf die des Aluminiums. Schlagartig erwacht ein großes Negativ-Interesse für die sonst wenig beachtete Metallerzeugung.

Und so erreichten die Redaktion in den vergangenen Wochen Kommen- tare und Berichte verschiedenster (Umwelt)-Organisationen mit der Kernaussage: Die Katastrophe in Ungarn zeigt die Gefahren der unverantwortlichen Metallproduktion. Ge- fordert wird hier z.B. die Abkehr von Aluminium-Getränkedosen mit dem Hinweis die „Gefährlichkeit der Aluminium-Erzeugung“. Auch die These der Zerstörung des Regenwaldes durch den Bauxitabbau findet sich wieder.

Geboten ist jedoch eine sachliche Dis- kussion statt pauschaler Verurteilung. Festzuhalten ist: Das überaus bedauerliche Unglück ist ein Einzelfall in der Aluminiumoxidgewinnung, nicht die Regel. An Spekulationen über die Unglücksursache will sich die Reaktion nicht beteiligen, da zu wenige Fakten bekannt sind. Bei ähnlichem Versagen von Rückstands-Dämmen in der Vergangenheit (andere Metalle) stellten sich letztlich unterschiedliche Gründe heraus, die von Starkregen, Hurricanes, Eisgang, seismischen Einflüssen bis hin zu schlechtem Management und Überlaufen reichen. Eine Untersuchung und Bewertung des Einzelfalls ist daher angezeigt.

Bauxit und der Regenwald

METALL als Fachzeitschrift für Me- tallurgie zeigt immer wieder, welch umfangreiche Maßnahmen die NE- Branche in den letzten Jahrzehnten eingeleitet hat, um eine nachhaltige, umweltverträgliche Produktion zu si- chern. Einzelne schwarze Schafe oder nicht mit Fakten belegte Argumente sollten nie dazu dienen, eine ganze Branche zu diffamieren.

Ein Beispiel: Der Bauxit-Regenwald- Diskussion liegt die Tatsache zugrun- de, dass der tropische Regenwald in einem Zeitraum von nur 10 Jahren von 19,4 Mill. km2 auf rund 18 Mill. km2 dezimiert wurde. Um die Aluminiumindustrie hier richtig einordnen zu können, sind die Gründe für die Waldrodungen zu berücksichtigen. Eine Studie des Instituts für Weltwirtschaft Kiel im Auftrag von Greepeace e.V. in Hamburg ergab: An Waldrodungen beteiligt ist der Wanderfeldbau mit 45 %, die permanente landwirtschaftliche Nutzung und Viehzucht mit ebenfalls 45 %, die Forstwirtschaft mit 6 % und die gesamte industrielle Nutzung mit lediglich 4 %. Damit stellt die Aluminiumindustrie keine Hauptursache für Waldrodungen dar. Vielmehr haben der Abbau von Bauxit und die Aluminiumproduktion in diesen Län- dern Arbeitsplätze geschaffen, die der dortigen armen Bevölkerung Alter- nativen zum Wanderfeldbau bieten. Alte Tagebauflächen werden nahezu immer, ebenso wie Rotschlammdeponien, rekultiviert.

Starke Stimme der NE-Branche

Doch Fakten wie diese müssen erst einmal bekannt sein. Sehr zu begrüßen ist daher, dass die Unternehmensinitiative der NE-Metallindustrie „Metalle pro Klima“ den industriellen Klimaschutz an den Unternehmensstandorten präsentiert. Die im 2007 ins Leben gerufene Initiative zog jetzt eine erste Bilanz. Zufrieden zeigte sich Peter Willbrandt, Mitglied des Vorstands der Aurubis AG und stellvertretender Vorsitzender der Unterneh- mensinitiative Metalle pro Klima: „Die Initiative gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit innerhalb und außerhalb der Branche und ist mittlerweile auf zwanzig Mitglieder angewachsen. Das ist wichtig, denn nur mit starker Stimme können wir gemeinsam die NE-Metallindustrie als energie- und wertschöpfungsintensive Grundstoffindustrie sichtbar in der Klimadebatte positionieren und etwas bewegen.“

METALL begrüßt dies, denn nur im Dialog werden die beträchtlichen Fortschritte sichtbar: So wurden die spezifischen CO2-Emissionen der gesamten deutschen NE-Metallindustrie um über 27% gegenüber 1990 gesenkt. Der spezifische Energieeinsatz sank um 26 %.



Für Metall-Profis

Testen Sie uns!
Logo Easy Metal mit Abbildungen einer Wismutschale, dem Kirkendall-Effekt und Lunker

World of Metallurgy

In der Zeitschrift World of Metallurgy – ERZMETALL erscheinen technisch-wissenschaftliche Originalarbeiten, die sich mit der Aufbereitung und Verhüttung bis hin zur Verarbeitung, vorrangig von NE-Metallen befassen. Weitere Schwerpunkte bilden die Metallanalyse und spezielle Bereiche der Umwelttechnik. 

Weitere Informationen zum Magazin World of Metallurgy – ERZMETALL

 

World of Mining – Surface & Underground

Die Berichterstattung der World of Mining umfasst die gesamte Breite der bergbaulichen Rohstoffgewinnung. Dazu gehören die Lagerstättengeologie, die Planung bergbaulicher Anlagen, die Gewinnung, Förderung, Veredlung und Nutzung sowie die  sowie die Rekultivierung und Altlastensanierung.

Weitere Informationen zu World of Mining – Surface & Underground

Alu-Web.de