
Durch die weltweite Wirtschaftskrise liegt für unsere Branche ein schwieriges Jahr hinter uns.
Bereits kurz nach der Budgetphase für 2009 brachen die Märkte ein und auch die Metallpreise folgten in nicht erwarteter Höhe diesem Trend. Die Branche musste Umsatzeinbrüche bis zu 45 % im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnen. Die Zurückhaltung bei den Investitionen, Inanspruchnahme von Rücklagen, Kostensenkungsprogramme prägten das Bild der NE-Metallindustrie. Obwohl sich zur Jahresmitte die Preise erholten, lagen die Produktionsmengen hinter den Erwartungen deutlich zurück und auch die Stützungsmassnahmen der Regierung konnten nicht wesentlich zur Verbesserung beitragen. Dennoch hat sich unsere Branche, was z. B. die Anzahl der produzierenden Unternehmen betrifft, gut behauptet, wenngleich das Jahr durch Belastungen wie CO2- Handel, REACh-Verpflichtungen, Aktivitäten zur Sicherung der Rohstoffe, hohe Strompreise und andere durch die Politik entwickelten Verpflichtungen begleitet wurden. Darüber hinaus wird sich die Auswirkung der Wirtschaftskrise bei den Jahresabschlüssen für 2009 spürbar zeigen. Dieses wird sich auch beim Rating 2010 und damit bei den Kreditkonditionen auswirken. Die durch die CO2-Emissionen besonders belasteten Unternehmen der NE-Metallurgie warten bis heute auf eine verbindlich Zusage für die bereitgestellten 40 Mio. EUR zur CO2-Kostenkompensation. Zwar hat die Bundesregierung ein Konzept erarbeitet, Brüssel hat diesem jedoch bisher nicht zugestimmt.
Mit dem Antritt der neuen Regierung im Herbst erwarten wir für unsere Schlüsselindustrie eine Kostenentlastung zur Stabilisierung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Auch wenn wir mit unseren Aktivitäten (Metalle pro Klima) unsere Bereitschaft zum Klimaschutz deutlich machen, fordern wir dennoch von der Politik eine stärkere wirtschaftsorientierte Politik. Klimaschutzmaßnahmen dürfen nicht die Wettbewerbspositionen verzerren und müssen schließlich von der Wirtschaft bezahlt werden. Wir sagen eindeutig JA zu mehr Klimaschutz, jedoch NEIN zu weniger Arbeitsplätzen. Die Informationen, dass auf dem Klimaschutztreffen in Kopenhagen keine neuen Festlegungen formuliert werden, lassen hoffen, dass von möglicherweise weiteren Kostenbelastungen kurzfristig nicht auszugehen ist.
Vor diesem Spannungsfeld ist es eine Verpflichtung der Branche, sich auch für die Aufgaben gegenüber der Politik und Wirtschaft zu öffnen. Wir müssen unsere wirtschaftlichen Herausforderungen hörbar machen. Neben den verschiedenen Initiativen soll auch der nächste Tag der Metallurgie (3. bis 5. März 2010) dazu beitragen. Während wir auf dem ersten Tag der Metallurgie unser Profil beschrieben haben, wollen wir im kommenden März alle die o. g. Problemfelder, die uns unmittelbar betreffen, diskutieren. Wirtschaftliche Lage, Energieentwicklung, Klimaschutz, Rohstoffsicherheit, Recycling, Mobilität, erneuerbare Energien, NE-Metalle – Anwendungen für das moderne Leben sowie ein Forum über Finanzierung und Bilanzierung unserer Branche werden den Kongress bereichern. Wenngleich insbesondere durch die Metallpreise und durch einen leichten Anstieg der Produktion die Branche für 2010 bessere Perspektiven erwartet als für das laufende Geschäftsjahr zu Jahresbeginn, so sind wir noch nicht über den Berg. Wir sollten gerade in dieser Phase mit dem Diskussionsforum des Tages der Metallurgie nach außen tragen, was uns bewegt. Die Initiative „Metalle pro Klima“ hat mit ihren Maßnahmen erzielbare Erfolge aufgezeigt.
Deutschland hat im Vergleich zu anderen europäischen Ländern eine sehr starke Buntmetallindustrie und spielt somit eine bedeutende Rolle für weitergehende Entscheidungen der Europäischen Union. Wir müssen auch mit dem Tag der Metallurgie auf europäischer Ebene unseren Beitrag zur Lösung deutlich machen.
Vom Tag der Metallurgie sollen bei dem völlig veränderten Programm die entsprechenden Botschaften und Signale für eine weitere erfolgreiche Entwicklung der Branche ausgehen, denn NE-Metalle sind modernes Leben, schaffen Arbeitsplätze, technologischen Vorsprung und beschreiben weiterhin den Fortschritt der Gesellschaft in allen Ländern. Ich wünsche der Branche einen angenehmen Jahreswechsel, ein erfolgreiches 2010 und freue mich auf ein Wiedersehen mit Ihrer Begleitung auf dem Tag der Metallurgie in Goslar.
Dr. Reimund Westphal
Geschäftsführer
Recylex GmbH
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