Erholung im Edelstahlbereich in Sicht?

Titelbild METALL 10/2009

Endlich: Erste gute Nachrich- ten kommen aus dem Edel- stahlbereich: Zeitweilige Produktionskürzungen werden nach und nach aufgehoben. Das International Stainless Steel Fo- rum (ISSF) spricht in seiner aktuellen Statistik davon, dass eine signifikante Erholung in der Edelstahl-Produktion begonnen haben könnte. Dafür spricht, dass alle Regionen - mit Ausnahme von Ost-Europa und Amerika – einen deutlichen Produktionszuwachs im zweiten Quartal des Jahres verzeich- neten. China und Asien meldeten einen Zuwachs von rund 30 Prozent gegenüber dem ersten Quartal, West- Europa/Afrika meldete einen Anstieg von 20 Prozent.

China noch positiv

Doch trotz dieser beginnenden Erholung verbleibt für das gesamte erste Halbjahr 2009 eine deutlich negative Bilanz: Weltweit ergab sich in diesem Zeitraum eine um 26,8 Prozent geringere Produktion als im Vergleichszeitraum des Jahres 2008. Insgesamt ergab sich eine Produktion von 10,8 Millionen Tonnen – zurückzuführen darauf, dass alle Regionen einen Rückgang meldeten. Nur China kam selbst in dieser Zeit noch auf einen Zuwachs von 5,3 Prozent. Zum Vergleich: Der Rückgang in Westeuropa und auch in Amerika lag im ersten Halbjahr bei je- weils rund 40,5 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008.

Edelstahl überzeugt überall

Umso mehr freuen die ersten guten Nachrichten, betreffen sie doch eine Werkstoffgruppe mit großem Poten- zial – wie es die Beiträge dieses Heftes eindrucksvoll belegen. Ob im Bau- bereich (s. Seiten 488 bis 492), dem Werkzeugbau (s. S. 493) der Medizin (s. S. 502), der Energietechnik (s. S. 495), im Offshore-Bereich (s. S. 496) oder gar als Klettverschluss (s. S. 494) – überall vermag Edelstahl eindrucksvoll zu glänzen. Und dies auch gern im Ver- bund mit anderen Metallen, wie es ein faszinierendes Haus aus Edelstahl und Kupfer belegt (s. 489). Während beide Metalle hier einträchtig zusammen- wirken, gibt es auf anderen Gebieten durchaus Konkurrenz, insbesondere im Bereich der Hygienewerkstoffe. Hier will Edelstahl seine dominieren- de Stellung behalten, während Kupfer auf seine bakterienabtötende Wirkung setzt. Ein spannender Wettkampf – ähnlich dem der beiden Edelstähle gegeneinander: Derzeit scheint die Frage „Austenit oder Ferrit“ wieder unentschieden, wofür u.a. der gefallene Nickelpreis spricht.

Neuauflage: Austenit kontra Ferrit

Während die 300er-Serie (CrNi-Stahl, austenitisch) im Jahr 2008 einen Markt- anteil von 60,5 Prozent hatte, erreicht die Gruppe in den ersten sechs Mona- ten des Jahres nach ISSF-Statistik einen Anteil von 62,1 Prozent. Die 400er-Serie (Cr-Stahl, ferritisch) hingegen fiel von 28,1 Pro- zent auf 24,8 Prozent, auch erklärbar durch die Krise der Automobilindustrie, die typischerweise ein starker Abnehmer diese Qualitäten ist.

Noch ist nicht abzusehen, wie sich die Automobilmärkte nach dem Auslau- fen der Abwrackprämie entwickeln werden. Die Tendenz zeigt bekann- termaßen eher nach unten. Optimis- mus muss Edelstahl daher vor allem aus seinen anderen Anwendungs- bereichen beziehen. Punkten kann der Werkstoff mit seinen einzigarti- gen Eigenschaften, die im Verbund mit einer optimalen Bearbeitung die passende Lösung für nahezu jeden Anwendungsfall bieten.



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