Von einem Nachholbedarf könne keine Rede sein. „In den Jahren 2009 und 2010 hätten wir sogar Lohnsenkungen erwarten und verlangen können. Dies wäre aber ein unzumutbarer Bruch mit einer verlässlichen Linie gewesen", sagte Kannegiesser und mahnte: „Dasselbe gilt in die andere Richtung." Voraussetzung für Tarifverträge und Tarifbindung sei der Erhalt des Betriebsfriedens nach Vertragsabschluss. „Wenn dieser zur Beliebigkeit verkommt, braucht es keine Tarifverträge mehr. Deshalb müssen wir gemeinsam Kurs halten." Das wirtschaftliche Umfeld sei immer weniger kalkulierbar, erklärte Kannegiesser. Viele Krisenherde seien nur überdeckt, aber nicht geheilt worden. Sie könnten jederzeit wieder aufbrechen. Aufgabe der Tarifparteien sei es deshalb, die Betriebe und deren Arbeitsplätze krisensicherer zu machen. „Wir müssen unseren Betrieben ihre finanziellen Handlungsspielräume erhalten, und wir müssen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bewahren."
In diesem Zusammenhang nannte Kannegiesser Zeitarbeit unverzichtbar. „In einer immer volatileren Welt sichert sie Arbeitsplätze in Deutschland, integriert Hunderttausende in den Arbeitsprozess. Wenn es ein solches Instrument nicht gäbe, müsste man es erfinden." Die von der IG Metall zusätzlich geforderte Ausweitung der Mitbestimmung über Zeitarbeit sei "nicht einsichtig, schädlich und deshalb inakzeptabel", so Kannegiesser weiter. Die vorhandenen gesetzlichen Regelungen aus Betriebsverfassung und Rechtsprechung deckten die Mitbestimmungserfordernisse vollständig
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