
Grundlage für die Untersuchungen ist ein im Jahr 2006 zwischen der Internationalen Meeresbodenbehörde der Vereinten Nationen und der BGR geschlossener Vertrag, der Deutschland das exklusive Recht gibt, auf einem Meeresareal von 75.000 km2 Größe in rund 5.000 Metern Tiefe fünfzehn Jahre lang den Bestand der rohstoffreichen Manganknollen zu erfassen. „Manganknollen sind eine Rohstoffquelle der Zukunft für Buntmetalle wie Kupfer oder Nickel“, erklärt BGR-Expeditionsleiter Dr. Carsten Rühlemann.
Die Untersuchungen des Meeresbodens in verschiedenen Arealen des Lizenzgebietes mit einem Videoschlitten haben gezeigt, dass der deutsche Claim großflächig dicht mit Manganknollen belegt ist. „Die Knollen sind meist 3-6 cm groß, die größten Exemplare erreichen 20 cm Durchmesser. Erste Abschätzungen anhand der neugewonnenen Daten zeigen, dass im Lizenzgebiet etwa eine Milliarde Tonnen Knollen liegen, mit hohen Nickel- und Kupfergehalte zwischen 2,3 und 3,0 Prozent", so Dr. Thomas Kuhn, BGR-Leiter des Geologielabors an Bord. Weiterhin wurde von den Biologen des DZMB um Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Pedro Martinez-Arbizu der Artenreichtum der Tierwelt in den ausgedehnten Knollenfeldern unter den extremen Bedingungen der Tiefsee mit völliger Dunkelheit, frostiger Kälte und enormem Druck erforscht.
Für eine Bestandsaufnahme der Bodenlebewesen wurden mit Hilfe von so genannten Kastengreifern 50 x 50 cm große Proben des Meeresbodens ausgestanzt und an Bord gehievt. Zusätzlich wurde mehrfach eine Art Fangnetz, das in einen Metallschlitten eingespannt war, über den Meeresboden gezogen, um möglichst viele Tierarten bestimmen zu können. Die Untersuchungen zur Biodiversität haben gezeigt, dass die Tierwelt auf dem Meeresboden im deutschen Lizenzgebiet sehr stark der des französischen Lizenzgebietes ca. 1.000 km weiter westlich ähnelt. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass zumindest innerhalb der Clarion- und Clipperton-Bruchzonen, die den Manganknollengürtel im Norden und Süden begrenzen, keine Barrieren vorhanden sind, die eine Wiederbesiedlung nach einem mögli chen zukünftigen Abbau von Manganknollen verhindern würden. Die Beobachtungen mit dem Videoschlitten deuten zudem darauf hin, dass die Tierwelt der untermeerischen Vulkane den Bodenlebewesen der Tiefseeebenen entspricht und die Vulkane somit Refugien darstellen, von denen aus eine Neubesiedlung stattfinden könnte. Angesichts teilweise dramatisch steigender Rohstoffpreise gewinnen die Manganknollen erneut an Aktualität. „Vor diesem Hintergrund ist das Vorhaben auch eine Maßnahme der strategischen Zukunftsvorsorge“, so BGR-Wissenschaftler Rühlemann. „Durch die frühzeitige Forschungstätigkeit der BGR wird ein Beitrag zur künftigen Rohstoffsicherung unseres Landes geleistet.“
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