01. February 2012 | Stahl / Nickel

ThyssenKrupp und Outokumpu bündeln Edelstahlgeschäfte

ThyssenKrupp und Outokumpu haben den Zusammenschluss von Outokumpu und Inoxum, der Edelstahlsparte von ThyssenKrupp, angekündigt. Damit entsteht ein neuer Weltmarktführer im Edelstahlsektor.

Entsprechende Beschlüsse haben der Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG und das Board of Directors von Outokumpu gestern genehmigt. Der Kaufpreis entspricht einem Unternehmenswert von rund 2,7 Mrd. Euro für Inoxum. Die Vereinbarung sieht - so die Mitteilung von ThyssenKrupp - vor, dass ThyssenKrupp für die Einbringung von Inoxum einen Anteil von 29,9 Prozent an dem neuen Unternehmen erhalten wird. Zudem werde Outokumpu 1 Mrd. Euro in bar zahlen, um Finanzschulden von Inoxum bei ThyssenKrupp abzulösen, sowie weitere Schulden von Inoxum, bestehend aus externen Finanzverbindlichkeiten und Pensionsverpflichtungen von insgesamt 422 Mio. Euro (Stand: 30.09.2011) übernehmen. Darüber hinaus behält ThyssenKrupp eine Finanzforderung gegen Outokumpu im Nominalwert von 235 Mio. Euro (Stand: 30.09.2011).

Durch den Zusammenschluss entsteht ein neuer Weltmarktführer im Edelstahlsektor mit einem Umsatz von rund 11,8 Mrd. Euro (annualisierte pro-forma-Zahlen für den 12-Monats-Zeitraum bis 30.09.2011) und mehr als 19.000 Mitarbeitern weltweit (zum Stichtag 30.09.2011).

Die Produktpalette und die Kundensegmente beider Partner ergänzen sich hervorragend. Outokumpu ist führend bei austenitischen und Duplex-Stählen. Inoxum ist eines der führenden Unternehmen bei ferritischen, nickelfreien Stählen für die Automobilindustrie sowie Produkten der "weißen Ware" und darüber hinaus ein Anbieter von Hochleistungswerkstoffen, unter anderem für die Flugzeugindustrie. 

Das neue Unternehmen soll unter dem Namen Outokumpu firmieren, seinen Hauptsitz in Espoo, Finnland, haben und an der NASDAQ OMX in Helsinki börsennotiert sein. Mika Seitovirta, der Chief Executive Officer von Outokumpu, wird weiterhin als CEO des neuen Unternehmens tätig sein. Als einer der Hauptaktionäre von Outokumpu nach Abschluss der Transaktion werde ThyssenKrupp einen Sitz im Board of Directors von Outokumpu erhalten. Der finnische Staatsfonds Solidium, der einen Anteil von derzeit 30,8 Prozent an Outokumpu hält, habe sich vertraglich verpflichtet, die Transaktion durch eine Beteiligung an der Kapitalerhöhung zu unterstützen.

Outokumpu geht davon aus, dass die Transaktion signifikante Synergien schafft. Die geplanten Synergien sollen durch eine effizientere Nutzung der Kapazitäten in Europa, durch gemeinsame Vorteile beim Einkauf und den Energiekosten sowie die Optimierung von Logistik und Vertrieb erzielt werden. Dabei plant Outokumpu, die Schmelzkapazitäten zu reduzieren und die Flüssigphase am deutschen Produktionsstandort Krefeld zu schließen. In diesem Bereich arbeiten derzeit etwa 400 Mitarbeiter.

Die Flüssigphase in Bochum werde dagegen mindestens bis Ende 2016 fortgeführt und dabei auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft. Derzeit sind dort 420 Mitarbeiter beschäftigt.

Um die anstehenden Veränderungen für die Mitarbeiter sozialverträglich zu gestalten, haben die Verhandlungspartner mit den Arbeitnehmervertretern eine Vereinbarung geschlossen. Vereinbart sei der grundsätzliche Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen an allen deutschen Produktionsstandorten bis Ende 2015. Alle Produktionsstandorte von Inoxum in Deutschland solen uneingeschränkt bis mindestens 2015 erhalten bleiben.

Die Flüssigphase in Krefeld werde schrittweise bis Ende 2013 eingestellt. Mindestens bis zu diesem Zeitpunkt wird auch die bestehende Bandgießanlage fortgeführt. Vorgesehen ist eine Aufwertung des Kaltwalzwerks in Krefeld vor: Dort soll ein Forschungs- und Entwicklungszentrum eingerichtet werden; außerdem soll ein zusätzliches Kaltwalzvolumen von 70.000 bis 90.000 Tonnen pro Jahr nach Krefeld und Dillenburg verlagert werden. Für die deutschen Standorte und zur Stärkung von Forschung und Entwicklung werden insgesamt 20 Mio. Euro bis 2017 zur Verfügung gestellt. ThyssenKrupp hat sich zudem vertraglich verpflichtet, bis zu 600 Mitarbeiter der Inoxum-Standorte zu übernehmen, die von einem Arbeitsplatzverlust bedroht sind.




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